Foto: Sebastian Góra

„Wir sind ein Kollektiv, alle sind Autorinnen des Stückes.“

Auszug aus unserer Publikation „Zirkus Heute. Neuer Zirkus in Deutschland und seine Companien“

Companie: Cie4 | Stadt: Berlin | Gegründet 2012 | Stück: Unruhe bewahren (2012) | Sparte: Neuer Zirkus, Tanz | www.cie4.net

„Wir sind ein Kollektiv, alle sind Autorinnen des Stückes.“

Was hat euch beeinflusst für dieses Stück? Was war euer Ausgangspunkt?
Da wir ein reines Frauenensemble sind, ist dies natürlich eines unserer Themen. Das menschliche Miteinander, von vier Frauen erlebt und interpretiert.
Unser Bühnenbild war ein weiterer wichtiger Ausgangspunkt für unsere Recherchen. Tänzerisch und akrobatisch haben wir Seile und Netze als Improvisationsgrundlage genutzt. Dabei unterstützen uns zusammengetragene Musiken und verschiedene Kostümideen, die verschiedenste Impulse auslösten.
Auf der Bühne sind Seile, Strapaten aus Seilen und ein großes Netz, das über eine Rolle mit einem Vertikalseil verbunden ist. Die Rolle ist metaphorisch oder symbolisch gesehen eine Abhängigkeit zwischen uns und sie erzeugt Harmonie und Disharmonie, verändert den Raum und schafft immer wieder neue Konstellationen unter uns.

Wer ist AutorIn eurer Produktionen?
Wir sind ein Kollektiv, alle sind Autorinnen des Stückes.
Phasenweise hatten wir Beratung von außen, haben uns aber nicht auf eine Regie festgelegt. In mehreren Kreationsblöcken haben wir mit Improvisationen gearbeitet, diese gefilmt und in der Gruppe analysiert.
Nach jeder Arbeitsphase gab es öffentliche Showings mit Publikums-Feedback, was uns in der Auswertung der einzelnen Phasen sehr geholfen hat.

Eure Verbindung zu dem Wort Zirkus?
Zirkus ist unsere Grundlage, wir sind alle ausgebildete Artistinnen und haben Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen und Produktionen gesammelt. Dabei gewannen wir Einsichten in den traditionellen Zirkus, in Musikproduktionen und zeitgenössische Tanzstücken. Unsere technischen Besonderheiten sind auch in anderen Formen des Zirkus wieder zu finden. Mit der Gründung von Cie4 wollten wir uns jedoch vom traditionellen Zirkus entfernen und Stücke kreieren, die auch andere Kunstformen beinhalten.

Taucht in euren Arbeiten der Kreis, das Risiko oder die Nummer als Referenz oder Thema auf?
Das Risiko taucht bei uns symbolisch als Thema auf, wir haben eine Szene bei der mit dem Risiko gespielt wird, von der Gruppe abhängig zu sein.
Soli, also Nummern im klassischem Sinn, tauchen bei uns nicht auf, wir haben Szenen, in denen eine oder zwei Personen im Fokus stehen, aber es geht immer auch um den Bezug oder die Abhängigkeit zu den anderen.

Habt ihr formulierte Ziele als Gruppe?
Unser Ziel ist es, neuen Zirkus in Deutschland zu kreieren.
Wir wollen abseits vom Varieté eigene künstlerische Kreationen verbreiten und international arbeiten.  „Unruhe bewahren“ soll weiter wachsen können und wir möchten in Zukunft die Möglichkeit haben, weitere Stücke zu kreieren.

Wie geht es weiter mit diesem Stück?
Wir wollen das Stück weiter verbreiten und immer wieder neue Arbeitsphasen mit einplanen. Wir haben „Unruhe bewahren“ bereits mit verschiedenen Bestzungen gespielt. Die Einflüsse der anderen Künstlerinnen konnten das Stück bereichern und vorantreiben. Für die Zukunft planen wir ähnlich vorzugehen.
Langfristig beabsichtigen wir neue Stücke zu entwickeln.

Geantwortet haben uns Julia Christ, Anke van Engelshoven, Lena Ries und Romy Seibt