Foto: Andreas Reckert

„Ich assoziiere Zirkus mit Tanzbären, Popkorn und Cirque du Soleil“

Auszug aus unserer Publikation „Zirkus Heute. Neuer Zirkus in Deutschland und seine Companien“

Companie: Natalie Reckert (Solistin) | Stadt: Berlin/Kassel | Gegründet: 2014 | Stück: image (2014) | Sparte: Handstandartistik und Tanz | www.nataliereckert.com

„Ich assoziiere Zirkus mit Tanzbären, Popkorn und Cirque du Soleil. Ich weiß nicht, was ich mache, aber ich mache irgendwas anderes, jedenfalls keinen Zirkus.“

Was treibt dich an?
Stücke kreieren. Stücke aufführen. Menschen dazu bewegen, sich die Stücke anzuschauen. Noch mehr Handstände machen. Menschen überzeugen, dass jede Aktivität sinnvoller ist, als vor dem Fernseher oder vor dem Computer zu hängen. Menschen daran zu erinnern, dass sie Menschen sind, dass sie etwas fühlen können.

Hast du Vorbilder? Wer oder Was hat dich in letzter Zeit in der Kunst beeindruckt?
Wenn ich als Künstlerin arbeite, habe ich doch keine Vorbilder! Meine Arbeit ist meine Arbeit. Ich kann nur die Arbeit machen, die ich machen kann. Mich beeindruckt viel, aber das hat wenig Einfluss auf die Art von Stück, die ich mache. Mich beeindrucken Musikvideos von Lady Gaga. Mich beeindruckt alles was fette Effekte hat, zum Beispiel Batman Begins und die Borg bei Raumschiff Voyager. Kunst bewegt mich eher, als dass sie mich beeindrucken würde.

Wie entwickelst du ein Stück?
Ich mache mir Gedanken, worum es geht und wie ich methodisch anfange. Ich versuche mir dann eine konkrete Aufgabe zu geben, so wie: mach drei Bewegungssequenzen aus Gesten und unterlege sie mit unterschiedlicher Musik. Ich entwickele meine Stücke alleine in einem Raum. Ich probiere etwas aus, wovon ich schon lange ein Bild oder ein Gefühl hatte und mache eine Sequenz daraus. Manchmal filme ich das Ganze. Dann warte ich ab, und wenn ich das Material auch drei Tage später noch gut finde, wird es ein offizielles Fragment des Stücks. Die meisten Ideen kommen von Workshops, die ich gemacht habe, aus der Zusammenarbeit mit anderen. Oder es sind Ideen, die ich in einem anderen Rahmen schon einmal ausprobiert habe. Vieles ist nicht neu, es geht mir schon seit langem im Kopf herum. Es gibt mehrere Entwürfe des Stücks, die alle einmal verworfen werden. Manche Fragmente überleben alle Versionen und sind immer dabei, andere Fragmente werden ständig ausgetauscht oder mutieren auf rätselhafte Weise immer zu etwas anderem. Eventuell gibt es in der Endphase eine Co-Regie. Da wird dann die Hälfte der Fragmente nochmal rausgeworfen.

Welche künstlerischen Disziplinen beeinflussen dich?
Tanz, bildende Kunst, Popmusik, Star Trek, Mode

Hast du eine Verbindung zu dem Wort Zirkus?
Das ist die offizielle Bezeichnung dafür, was ich mache. Ich assoziiere Zirkus mit Tanzbären, Popkorn und Cirque du Soleil. Ich weiß nicht, was ich mache, aber ich mache irgendwas anderes, jedenfalls keinen Zirkus.

Was war der Ausgangspunkt deiner Recherche zu diesem Stück?
Warum mache ich Handstände? Wer bin ich, wenn ich einen Handstand mache? Was fasziniert mich daran? Was fasziniert mich sonst noch?

Tauchen bei dir Risiko oder der Kreis als Themen auf?
Risiko vielleicht. Aber eher Zerbrechlichkeit. Na Risiko bekommt mehr Aufmerksamkeit von den Zuschauern. Aber dann kann man sich ja auch eine Stuntshow anschauen.

Was sind deine Ideen für die Zukunft?
Ein Tanzstück mit drei sexy Ladies auf der Bühne, die wie bei James Bond gleichzeitig betörend und gefährlich aussehen.
Ein Stück mit meiner Mutter über ihre Arthrose.
Ich möchte gerne eine Nummer in einem Kraken- oder in einem Pommestütenkostüm machen. Ich hätte gerne ein verglastes Schwimmbecken und würde in dem Krakenkostüm darin rumschwimmen, wie Paul das Krakenorakel. Aber das ist teuer, denn dafür brauche ich ein Schwimmbecken auf der Bühne. In dem Pommestütenkostüm würde ich eine Tuchnummer machen.

Geantwortet hat uns Natalie Reckert
Foto: Andreas Reckert