Aufruf zur Research session #ablebodiesandstones

Aufruf zur Research session #ablebodiesandstones

How can I be part of your revolution, when I am too hurt to dance?
Performative und luftartistische Recherche über Zirkus und Körper

Luftartistische Research

Emma Goldman weiterführend frage ich mich: wie kann ich Teil der Revolution sein, wenn ich zu verletzt zum Tanzen bin? Wie kann ich die Welt verändern, wenn ich nicht präsent sein kann?
Dabei ist derzeit dieses Ich ein hypothetisches, ein sich gesund fühlendes Ich, das als Akteurin der Kunst des Risikos – als Akteurin des Zirkus – immer mit der Gewissheit kreiert, dass sich das jederzeit schlagartig ändern kann.
Mich interessieren also Körper im Spannungsfeld zwischen Diszipliniertheit und Anders-Befähigtkeit, zwischen Zirkus-Körper und verletztem Körper, zwischen Adrenalin-Rausch und Schmerz: der Widerspruch zwischen dem disziplinierten, funktionierenden Körper der Luftartistin, der die Norm des Gesundseins und der Fitness übererfüllt, und der Realität, dass es keine Körper gibt, die „gesund“ sind.

Mir ist wichtig zu erforschen, ob es über die Kunst des Risikos hinaus mehr gibt, das mit zeitgenössischem Zirkus dargestellt werden kann. Und da gehört ein Infragestellen der Virtuosität und des perfekten disziplinierten trainierten Körpers dazu. Einerseits muss eine Künstlerin außerordentlich trainiert sein, um z.B. einen Flugsalto zu fliegen – aber wenn der Flugsalto immer nur den Flugsalto darstellen kann, wenn man mit einem körperlichen „Trick“ immer nur den einen „Trick“ zeigen kann, was bringt dann das ganze Training für die Kunst? Um Zirkus als künstlerisches Medium sehen zu können, muss mehr passieren als Virtuosität – aber eben nicht als Verpackung oder Ablenkung, und auch nicht als Klischee.
Oder nicht?

Diskursive Ausgangspunkte
„If we take Hannah Arendt’s definition of the political … as being any action that is performed in public, we must contend 

with the implications of what that excludes. If being present in public is what is required to be political, then whole swathes of the population can be deemed a-political – simply because they are not physically able to get their bodies into the street.“
Johanna Hedva

„People come to see someone to cheat death!“
Charles Dickens

„The circus body embodies a romantic ideal of freedom (flying, floating, super-strength), while itself being an extremely unfree, disciplined and perfect body. In this way, the circus creates the appearance of freedom (in performance) by applying an extreme discipline to the body (in practice). In this way, the circus would seem to propagate the notion that discipline and technology are essential to achieving a particular degree of (physical) freedom. But is this really the case? And, above all: is this a view of man that connects with the way we currently think about who we are or want to be?“
Bauke Lievens

Künstler*innen + Produktionsteam
Idee, künstlerische Forschung: Jana Korb
Artistische Recherche: Jana Korb, Hoppe Hoppinsky, Stephanie N’Duhirahe
Künstler*innen Research Sessions: Carmen Küster, Benjamin Richter u.a.
Critical Companion: Melmun Bajarchuu
Produktion: korb + stiefel GbR

Research-Sessions

Von Februar bis April 2019 lade ich einmal im Monat zwei Artist*innen für je zwei Vormittage zu artistischer Research ein, um bestimmte Fragestellungen im Vorfeld abzustecken. Jede Session soll einen Aspekt behandeln: Virtuosität, Unmittelbarkeit des „Tricks“ und des Körpers, Verletzung, usw.
Die eingeladenen Künstler*innen sollen im Genre des zeitgenössischen Zirkus tätig sein und an aktuellen Fragen des internationalen Zirkus-Diskurses arbeiten.
Die Sessions werden dokumentiert und die Ergebnisse werden gegebenenfalls teil einer neuen künstlerischen Produktion.

Termine in Berlin:
13+14 02 2019, 21+22 03 2019, 06+07 04 2019

Bewerbung bis zum 06 02 2019 an produktion@janakorb.de
Neben gezielt eingeladenen Künstler*innen gibt es für Luftartist*innen die Möglichkeit, sich zu den Sessions zu bewerben.
Die Sessions werden vergütet, pro Vormittag mit 100€ brutto.

Die Bewerbung (deutsch oder englisch) sollte beinhalten:
– kurze CV mit künstlerischem und luftartistischem Hintergrund
– Motivationsschreiben zu den Fragen:
Warum kreierst Du mit Luftartistik („Kreieren“ bitte nicht mit „Performen“ verwechseln)? Fühlst Du Dich gesund? Wie gehst Du als Luftartist*in künstlerisch, performativ und im Training mit Verletzungen, Krankheit, Unwohlsein um?

Bewerbung bis zum 06.02.2019 an produktion@janakorb.de

Weitere Infos unter: http://luftartistin.de/blog/2019/01/29/4550/
Gefördert vom Fonds Darstellende Künste.